Immer wieder gibt es die Diskussion um die Wertigkeit der "Zahlen" bzw. die für die Organisation der Bewegungstherapie wichtigen "Medizinischen Eckdaten", die auf keinen Fall älter als ein Jahr sein dürfen und möglichst nicht älter als 6 Monate sein sollten:

Was ist sinnvoller?

Die Angabe der empfehlenswerten Belastungsherzfrequenz (BHF)? ... oder  
Die Angabe der Belastbarkeit? z.B. in [Watt] oder in [Watt/kg]

Für Gesunde sind beide Daten wie die zwei Seiten einer Medaille = im Wesentlichen besteht eine langfristige Übereinstimmung zwischen der Kreislaufreaktion (BHF) und einer entsprechenden Belastung, die man außer in [Watt] auch noch in Sauerstoffbedarf ausdrücken kann [ml O2/Minute] (je 25 Watt "kosten" etwa 250-300 ml Sauerstoff/Minute).

Natürlicherweise sind die Herzfrequenzen in Ruhe und bei niedriger Belastung zum Teil starken, tagesformabhängigen Schwankungen unterworfen. Diese Schwankungen werden mit zunehmender Belastung immer geringer, d.h. die Kreislaufreaktion von einem zum anderen Tag wird immer reproduzierbarer.

PROBLEMPATIENTEN bleiben immer in diesem Bereich größerer Schwankungen.

Am Beginn einer Rehabilitation gilt, dass die Angabe der Belastbarkeit in [Watt] eine wesentlich stabilere Größe ist, als die Belastungsherzfrequenz mit ihrer enormen Abhängigkeit von frequenzbeeinflussenden Medikamenten, die häufig noch mehrfach bis zu einer endgültigen Langzeiteinstellung oder wegen diagnostischer Maßnahmen geändert werden müssen.

 

Bewegungstherapeuten in der kardiologischen Rehabilitation sind so geschult, dass sie wissen, welche Alltagsbelastung einer bestimmten, körpergewichtsbezogenen Watt-Zahl zuzuordnen ist:

Langsames Gehen (3 km/h)       in der Ebene (fester Boden):     ca. 25 W, besser 0.3 W/kg

Zügigeres Gehen (5 km/h)         in der Ebene (fester Boden):     ca. 50 W, besser 0.6 W/kg

"Wandertempo" (6 km/h)          in der Ebene (fester Boden):     ca. 80 W, besser 1.0 W/kg

Langsamster Dauerlauf - ebenfalls 6 km/h:                                        ca. 100 W, besser 1.2 W/kg

Langsamstes Schwimmern (25-30 m/Min):                                        ca. 1.0 bis 1.5 W/kg

Wassergymnastik:                                                                                        ca. 0.5 W/kg

Zügigeres Gehen (5 km/h) in der Ebene (fester Boden):                             ca. 50 W, besser 0.6 W/kg

Langsames Radfahren (10 km/h) eben, ohne Gegenwind:         ca. 0.9 W/kg

Ski-Wandern in der Ebene mit 4 km/h für wenig Geübte:           ca. 100 W

Ski-Wandern in der Ebene mit 7 km/h für gut Geübte:                                ca. 100 W

 

Für die bestmögliche Betreuung des Patienten sind also beide Angaben wichtig!       
Dies gilt selbstverständlich auch für die Patientenberatung nach einer neuen Ergometrie zur Selbstkontrolle bei Alltags- und Freizeitaktivitäten, die immer mal wieder z.B. mittels 24-Stunden-EKG unterstützt werden sollte.

 

Bei der HKI stufen wir unsere sporttreibenden Mitglieder anhand ihrer "Belastbarkeit" ein und empfehlen ihnen die Teilnahme in einer "Übungsgruppe" (ÜB1 bis ÜB4) oder "Trainingsgruppe" (TR1 bis TR9), und es gibt auch noch die "Lauf- und Ballspielgruppe" (LB1, LB2). Aber die Unsicherheit mit diesen Begriffen ist groß - darf ich mich zum Rudern oder Radeln oder Wandern anmelden oder muss ich weniger Anstrengendes vorziehen?

 

Nachfolgend soll eine Begriffsbestimmung zu mehr Klarheit führen.

 

Leistungsfähigkeit= Höchste Belastungsstufe bei der Ergometrie. Sie wird in der Regel in (relativ kurzen!) 2-Minuten-Stufen erreicht.

 

Belastbarkeit= Die Belastung, die längerfristig (z.B. länger als eine halbe Stunde) und regelmäßig (wünschenswert wäre täglich!?) durchgeführt werden kann, damit die Therapie nützlich und angenehm ist, ohne dass es zu einer weiteren Schädigung am Herzen kommen kann.

 

BelastungsHerzFrequenz (auch "Trainingspuls", „Karvonenformel“):

 

BHF60 = HFRuhe + 60%(HFmax - HFRuhe)

Hierbei steht "HF" für "HerzFrequenz"; HFRuhe ist also der Puls vor dem Start einer Belastung; Ruhepuls plus 60% der Steigerung der Herzfrequenz bis zum Belastungsabbruch nennt man den "Trainingspuls".

Für Teilnehmer von Herzgruppen, die regelmäßiger als nur 1x pro Woche etwas für ihre Gesundheit tun, kann man auch Ausdauerbelastungen mit 70% des Herzfrequenzanstiegs empfehlen, bezeichnet mit BHF70

Voraussetzung für die Errechnung der Empfehlungen für die Bewegungstherapie aus den Werten der Ergometrie:

·         keine Herzvergrößerung

·         keine schwerwiegenden Rhythmusstörungen

·         nicht ausreichend eingestellter Bluthochdruck - Ruhe- oder Belastungshypertonie

·         keine Änderung der Medikamente im Anschluss an den letzten "TÜV"

Sollten derartige Bedingungen vorliegen, muss noch vorsichtiger dosiert werden, z.B. BHF50

In der nachfolgenden Tabelle ist ablesbar, dass z.B. ein 80 kg schweres Mitglied, das leistungsmäßig auf 100 Watt eingestuft ist, mit einer Gehgeschwindigkeit von 105 Metern pro Minute (= 6,3 km/h) dauertrainieren sollte: